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AUSGABE № 27 — DO 24.09.2026

Die Zuspitzung.

Donald Trump hat am Pult der Vereinten Nationen die Vernichtung des Iran in den Raum gestellt und am selben Tag Gespräche seiner Unterhändler mit Teheran bestätigt. Zwischen Auszug, Applaus und Hinterzimmern.

RUSSLAND15:26 MIN4 KAPITEL
FOLGE № 2715:26 MIN
Die Zuspitzung
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FOLGE VOM 24.09.2026

Shownotes.

Am Dienstag dieser Woche fielen an einem einzigen Vormittag Sätze, die man sonst über Wochen sammeln müsste. Der amerikanische Präsident nannte Kuba am Rednerpult der Vereinten Nationen einen „absolut gescheiterten Staat", stellte zum Iran öffentlich die Frage, ob er eine Einigung schließen oder „die Islamische Republik vernichten" solle, „und zwar schnell", beschrieb die US-Militäroperation vor Venezuela mit der alten Formel, dem Sieger gehöre die Beute, und kündigte an, künstliche Intelligenz solle in Regierungsdokumenten künftig „Super Intelligence" heißen. Das interessantere Material dieses Tages liegt allerdings nicht in den Worten selbst. Es liegt in dem, was auf sie geantwortet hat.

Lachen, Schweigen, Gehen

2018 lachten Delegierte hörbar, als Donald Trump an derselben Bühne sein Amt lobte. 2025 nahm der Saal seine Rede nach Beobachtung der BBC überwiegend schweigend auf. Am Dienstag verließen kubanische Delegierte den Saal, und mit ihnen der Großteil der iranischen Delegation. Diese drei Bilder ergeben keine Abstimmung der Weltgemeinschaft. Sie ergeben aber eine Beobachtung: Offener Protest während der Rede eines amerikanischen Präsidenten ist auf dieser Bühne inzwischen Teil des Repertoires.

Die Reaktion des Saales lief an diesem Tag nicht in eine Richtung. Kurz zuvor hatte UN-Generalsekretär António Guterres seine letzte große Rede vor der Generalversammlung für eine Abrechnung genutzt. Er nannte die Waffenruhen im Nahen Osten oft kaum mehr als „kleinere Feuer", forderte die Umsetzung der Anordnungen des Internationalen Gerichtshofs zu Gaza und bezeichnete den fehlenden ständigen Sitz Afrikas im Sicherheitsrat als „ungerecht und nicht zu verteidigen". Viele Delegierte verabschiedeten ihn mit stehendem Applaus. Die US-Delegation, so eine Beobachterin, blieb sitzen.

Daniel Fürg liest diese Gleichzeitigkeit als Arbeitsteilung der Bühne:

Die Zuspitzung hat also keine Monokultur erzeugt, sie hat eine Arbeitsteilung sichtbar gemacht. Die einen überbieten, die anderen benennen.

Brasiliens Präsident Lula formulierte, die UNO versage bei einer ihrer wichtigsten Aufgaben, „die Menschheit von der Geisel des Krieges zu befreien". Jordaniens König Abdullah sprach mit Blick auf das Westjordanland von einer Politik, „eine ganze Bevölkerung zum Verlassen ihres Landes zu bewegen", und bezeichnete das als erzwungene Vertreibung. Frankreichs Präsident Macron fasste die Position knapp: Es könne keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben.

Die zweite Ebene: das Hinterzimmer

Während am Pult die Vernichtungsfrage stand, berichtete derselbe amerikanische Präsident am selben Dienstag, seine Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner hätten drei Stunden mit iranischen Vertretern gesprochen. Ort, Teilnehmer und Inhalt blieben unveröffentlicht; die Angabe stammt allein von Trump selbst. Neu ist der Kanal nicht. Im April hatten beide Seiten in Islamabad bereits 21 Stunden zusammengesessen, damals ohne Ergebnis. Der Faden, der dort riss, wird offenbar wieder aufgenommen.

Ein ähnliches Muster bei der Ukraine. Wolodymyr Selenskyj traf Trump am Dienstag und bot danach eine gegenseitige Pause der Angriffe auf Energieanlagen an, sofern Russland ebenfalls verzichte. Und auch die Annexionsrhetorik kennt diesen zweiten Weg: Ausgerechnet am Dienstag unterzeichnete Trump mit Dänemark und Grönland ein Sicherheitsabkommen, das die dänische Souveränität ausdrücklich bekräftigt und den jahrelangen Streit um seine Grönland-Drohungen vorerst entschärft. Die eine Drohgeschichte biegt auf den Verhandlungstisch ab, während die nächste – die im August angekündigte Territorialforderung an der Straße von Hormuz – rhetorisch schon läuft.

Hinzu kommt ein leises Signal aus dem amerikanischen Kongress. Bereits am 15. September stimmten sieben Republikaner im Repräsentantenhaus mit den Demokraten für eine Resolution, die den Rückzug der US-Streitkräfte aus den Kampfhandlungen mit dem Iran verlangt. Das Ergebnis: 220 zu 204 Stimmen, darunter zwei Abgeordnete aus umkämpften Wahlkreisen in Iowa, die damit frühere Positionen räumten. Die Resolution beendet für sich genommen keinen Krieg. Sie zeigt aber, dass Wahlkreisarithmetik beginnt, Außenpolitik zu bewegen.

Umbenennen ist billiger als entwickeln

Die dritte Passage der Trump-Rede betrifft den Maschinenraum der internationalen Politik. Künstliche Intelligenz solle in US-Regierungsdokumenten künftig „Super Intelligence" heißen, kündigte der Präsident an – wobei er selbst anfügte, man werde sehen, ob er die Macht dazu habe. Ein Erlass liegt bislang nicht vor. In der Forschung steht Superintelligenz für etwas jenseits menschlicher Fähigkeiten, während gestritten wird, ob und wann Maschinen menschliche Intelligenz überhaupt erreichen. Per Sprachregelung soll der Begriff nun auf heutige Systeme wandern. Klüger wird dadurch kein System. Aber jedes Dokument klänge nach Zukunftssieg.

Am selben Nachmittag stand im Sicherheitsrat eine Sitzung zu KI und internationaler Sicherheit an. Als externer Redner war Sam Altman erwartet – der Vorstandschef des Herstellers, dessen Produkte den Rat unterrichten sollten. Guterres hatte in derselben Rede, in der er die Chancen der Technik würdigte, gemeinsame Schutzregeln und unabhängige Aufsicht gefordert. Trump lehnt einen globalen Kontrollrahmen ab und will Wachstum nicht bremsen. Wachstum ohne Weltaufsicht gegen Weltaufsicht fürs Wachstum – und mittendrin der Hersteller als geladener Redner.

Die aktuelle Folge von Daniels Daily nimmt sich diesen einen Dienstag der UN-Generaldebatte vor und liest ihn mit drei Beobachtungsfragen: Wo reagiert der Saal, wer fehlt, was läuft parallel? Daniel Fürg zieht daraus einen nüchternen Befund, den er dem lauten Ton der Woche entgegenhält:

Solange Drohung und Gespräch noch im selben Haus stattfinden, hat das Haus seinen Zweck nicht verloren.

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