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AUSGABE № 15 — DI 08.09.2026

Die Verstärker.

Trump postet, Musk gratuliert, Fälscher imitieren die ARD: Zwei sehr unterschiedliche Einflussmaschinen aus den USA und Russland – und die Frage, was sie wirklich bewirken.

AFD16:12 MIN5 KAPITEL
FOLGE № 1516:12 MIN
Die Verstärker
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FOLGE VOM 08.09.2026

Shownotes.

Am Abend des 6. September erschien auf dem Truth-Social-Konto von Donald Trump eine Grafik: die Hochrechnung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Stand 19:57 Uhr, die AfD bei 44,4 Prozent. Der Präsident der Vereinigten Staaten fügte kein Wort hinzu, keine Überschrift, keinen Kommentar, und genau darin liegt die Raffinesse dieser Geste. Wer „Glückwunsch, AfD" schriebe, hätte eine diplomatische Verwicklung; wer kommentarlos eine Balkengrafik postet, hat formal nichts gesagt und wird doch verstanden. Festnageln lässt sich der Absender auf nichts. Auf X gratulierte unterdessen Elon Musk mit „Well done!", der frühere Botschafter Richard Grenell sprach von einem großen Sieg und einem neuen Tag in Deutschland, und der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund antwortete dem reichsten Mann der Welt auf Englisch, für den Fall einer Regierungsübernahme biete er eine starke und konstruktive Zusammenarbeit an, Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den es sich zu investieren lohne. Was an diesem Abend im hellsten Licht der Weltöffentlichkeit stattfand, hat ein Gegenstück im Halbdunkel: Seit Monaten lief eine Kampagne mit gefälschten Videos im Design deutscher Medien, vor der das Bundesamt für Verfassungsschutz im August namentlich gewarnt hatte, ausgerichtet unter anderem auf genau diese Wahl. Es lohnt sich, beide Phänomene nebeneinanderzulegen, denn sie folgen zwei grundverschiedenen Logiken und zahlen doch auf dieselbe Partei ein.

Die offene Einflussnahme hat eine Chronik, die Ende 2024 beginnt. „Only the AfD can save Germany", postete Musk am 20. Dezember 2024, acht Tage später erhielt er dafür Platz in der Welt am Sonntag, die Leiterin des Meinungsressorts kündigte aus Protest. Es folgten das Livegespräch mit Alice Weidel vor internationalem Publikum, die Videoschalte zum Wahlkampfauftakt der AfD samt der Bemerkung, es gebe zu viel Fokus auf vergangene Schuld, der Wahlaufruf am Tag der Bundestagswahl und tags darauf die Prognose, bei dieser Wachstumsrate werde die AfD bald Mehrheitspartei sein. Dazwischen lag die Münchner Rede des Vizepräsidenten J. D. Vance mit dem Satz, für Brandmauern sei kein Platz, die AfD nannte er nicht, das musste er auch nicht. Nach der Wahl vom Sonntag warb ein New Yorker Klub junger Republikaner, der schon im Sommer 2025 mit der Formel „AFD über alles" aufgefallen war, erneut für die Partei, die WirtschaftsWoche beschreibt gezielt geknüpfte Beziehungen nach Sachsen-Anhalt. Nach den Motiven gefragt, muss man trennen. Was die Akteure selbst sagen, ist das Projekt einer internationalen Rechten, die sich als Bewegung versteht und in der AfD ihren deutschen Ableger sieht; aus dieser Binnenlogik ist Unterstützung keine Einmischung, sondern Solidarität. Was darüber hinaus als Deutung kursiert, sind Interessen: Musks Plattform X liegt im Dauerkonflikt mit der europäischen Digitalregulierung, im Dezember verhängte die EU-Kommission 120 Millionen Euro Bußgeld nach dem Digital Services Act, dessen Abschaffung die AfD fordert; ein mit sich selbst beschäftigtes Europa wäre zudem der schwächere Verhandlungspartner in Zoll- und Sicherheitsfragen. Nachgewiesen sind diese Motive nicht. Es sind Hypothesen, aber es sind jene, die erklären würden, was sonst reine Gefühlssache wäre.

Die Maschine, die nicht gratuliert, sondern fälscht

Die verdeckte Einflussnahme arbeitet anders. Die Kampagne, vor der der Verfassungsschutz am 12. August warnte, bekannt als Matrjoschka oder Operation Overload, produziert Kurzvideos im Layout von ARD, ZDF oder FAZ, die erfundene Skandale verbreiten. Das Forschungsinstitut CeMAS dokumentierte binnen zwei Monaten 141 solcher Videos über mehr als vierzig deutsche Politikerinnen und Politiker, betroffen waren alle Parteien mit zwei Ausnahmen: AfD und BSW. Neu ist die Zielhöhe, nicht mehr nur Minister, sondern Landes- und Kommunalpolitiker mit geringen Mitteln zur Gegenwehr; über einen Linken-Kandidaten aus Weißenfels wurde ein frei erfundener Mordvorwurf verbreitet, gegen Ministerpräsident Sven Schulze lief kurz vor der Wahl ein aufwendiges KI-Video, das Sicherheitskreise der Kampagne Storm-1516 zurechnen, jener Gruppe, die die Bundesregierung Ende 2025 förmlich Russland und der Unterstützung durch den Militärgeheimdienst GRU zugeschrieben hat. Die vom Verfassungsschutz beschriebenen Ziele sind dabei aufschlussreicher als die intuitive Annahme, es gehe um Wahlsiege: Spannungen verschärfen, Vertrauen schwächen, die Spaltung zwischen Ost und West vertiefen. Ein AfD-Erfolg dürfte diesen Interessen dienen, als Mittel, nicht als Zweck. Zur Redlichkeit gehört zugleich der Befund der Forschung: Die organische Reichweite der Fälschungswelle war nach allem, was sich vor der Wahl messen ließ, gering, viele Aufrufzahlen waren künstlich erzeugt, und aus den dokumentierten Posts und Fälschungen lässt sich nicht ableiten, dass sie diese Wahl entschieden haben, so wenig wie sich ihr Einfluss auf null beziffern lässt. Auch die Wahrnehmung allgegenwärtiger Manipulation nutzt den Angreifern; wer nach jeder Wahl raunt, es sei ohnehin alles gesteuert, liefert das Misstrauen ins Ergebnis gratis dazu. Die Grenze, auf die es ankommt, verläuft deshalb nicht zwischen Inland und Ausland und auch nicht zwischen berühmt und anonym. Sie verläuft dort, wo getäuscht wird: über den Absender, über den Inhalt, über die Koordination dahinter. Wer sie kennt, ist nicht immun, Immunität gibt es nicht. Aber er erkennt die Versuche früher und beurteilt sie nüchterner. Mehr kann Aufklärung nicht leisten, weniger sollte sie nicht.

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